Wolfgang Flad | Tanja Selzer – LIAISONS
Wolfgang Flad | Tanja Selzer LIAISONS Skulptur | Malerei
LIAISONS entstand nicht aus einem Thema, sondern aus einer Begegnung.
Die Ausstellung bringt erstmals Arbeiten von Tanja Selzer und Wolfgang Flad zusammen. In Malerei und Skulptur begegnen sich zwei unabhängige künstlerische Positionen, die organische Strukturen, Wachstum und Veränderung auf unterschiedliche Weise untersuchen. Aus ihrem Dialog entsteht ein offenes Geflecht von Beziehungen – zwischen Form und Raum, Mensch und Natur, Wahrnehmung und Erinnerung.
Beide Künstler haben über viele Jahre eigenständige künstlerische Sprachen entwickelt und arbeiten mit unterschiedlichen Medien. Zwischen ihren Werken zeigt sich zugleich eine innere Verwandtschaft, die sich weniger in formalen Ähnlichkeiten als in gemeinsamen Fragestellungen und Haltungen erkennen lässt: im Interesse an organischen Strukturen, offenen Formprozessen und den vielfältigen Beziehungen zwischen Mensch, Natur und Umwelt.
Programm:
Donnerstag, 10. September2026, 18:00 h
Vernissage. Die Künstler werden anwesend sein.
DJ Balthazar legt auf.
Donnerstag, 01. Oktober 2026, 18:00 h
Guided Talk mit den Künstlern.
Samstag, 24. Oktober 2026, 16:00 – 18:00 h
Finissage
Der Titel „LIAISONS“ bezeichnet dabei nicht nur die Begegnung zweier künstlerischer Positionen, sondern verweist auf vielfältige Verbindungen: zwischen Malerei und Skulptur, Fläche und Körper, Farbe und Material, Wachstum und Struktur, Sichtbarem und Vorgestelltem. Die Ausstellung führt diese Beziehungen nicht auf eine gemeinsame Aussage zurück, sondern lässt sie nebeneinander entstehen, sich berühren, voneinander entfernen und neue Zusammenhänge bilden.
Wolfgang Flads Skulpturen wirken wie organische Gebilde, die sich im Raum ausbreiten und ihre Form im Wechsel von Blickwinkel, Licht und Bewegung verändern. Sie lassen an Pflanzen, Korallen, Wurzeln, Knochen oder Zellstrukturen denken, ohne eine dieser Erscheinungen konkret abzubilden. Wolfgang Flad entwickelt keine Nachbildungen der Natur. Seine Arbeiten folgen vielmehr Prinzipien, die auch natürlichen Wachstumsprozessen zugrunde liegen: Verzweigung, Wiederholung, Ausdehnung, Verdichtung und das fragile Gleichgewicht zwischen Stabilität und Bewegung.
Die offenen Strukturen seiner Skulpturen nehmen den sie umgebenden Raum nicht einfach ein. Sie gliedern ihn, umschließen Leerräume und öffnen ihn zugleich für neue Blickbeziehungen. Masse und Leere werden dabei zu gleichwertigen Bestandteilen der Arbeit. Der Blick kann durch die Formen hindurchwandern; die Skulptur verändert sich mit jedem Schritt der Betrachtenden. Sie erscheint nicht als abgeschlossenes Objekt, sondern als ein räumliches Gefüge, dessen Wirkung sich erst in der Bewegung vollständig erschließt.
Tanja Selzers Malerei geht von der intensiven Beobachtung von Pflanzen, Landschaften und natürlichen Erscheinungen aus. Ihre Bilder sind dabei keine botanischen Beschreibungen. Im malerischen Prozess lösen sich die Motive zunehmend von ihrer konkreten Erscheinung. Konturen verlieren ihre Eindeutigkeit, Formen überlagern sich, Farbe und Licht entwickeln eine eigene Dynamik. So entstehen vielschichtige Bildräume, die sich zwischen Gegenständlichkeit und Auflösung bewegen.
Pflanzen erscheinen bei Tanja Selzer nicht als isolierte Objekte, sondern als Teil lebendiger Gefüge. Blüten, Blätter und Zweige treten hervor und entziehen sich zugleich wieder dem Blick. Nahsicht und Weite, Präzision und Unschärfe, Beobachtung und Erinnerung greifen ineinander. Ihre Malerei öffnet damit keine eindeutig lesbaren Räume, sondern erzeugt atmosphärische Zustände, in denen sich das Sichtbare fortwährend verändert.
Die besondere Spannung der Ausstellung entsteht aus der Verschiedenheit der beiden künstlerischen Mittel. Malerei und Skulptur illustrieren einander nicht, sondern eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf verwandte Prozesse. Während Tanja Selzers Gemälde aus Farbe, Licht und malerischer Tiefe organische Bildräume entwickeln, treten Wolfgang Flads Skulpturen mit Material, Volumen und Leere unmittelbar in den realen Raum. Im Dialog dieser unterschiedlichen Ausdrucksformen werden Verbindungen sichtbar, die über formale Ähnlichkeiten hinausgehen.
Aus diesem Nebeneinander entsteht kein einheitliches Bild der Natur. Vielmehr zeigt sich Natur als ein bewegliches Gefüge, das von Veränderung, wechselseitiger Abhängigkeit und fortwährender Transformation geprägt ist. Formen wachsen, verzweigen sich, überlagern einander, lösen sich auf und entstehen neu. In beiden künstlerischen Positionen erscheint Form deshalb nicht als endgültiger Zustand, sondern als Moment innerhalb eines offenen Prozesses.
Darin liegt zugleich eine weitere Bedeutung des Ausstellungstitels. LIAISONS bezeichnet nicht nur sichtbare Verbindungen, sondern auch jene Beziehungen, die erst im Sehen entstehen. Ein Farbverlauf kann eine plastische Form aufnehmen; eine Öffnung innerhalb einer Skulptur kann den Blick auf ein Gemälde verändern; eine zuvor übersehene Struktur wird durch ein benachbartes Werk plötzlich wahrnehmbar. Die Ausstellung schreibt diese Beziehungen nicht fest. Sie gibt den Betrachtenden die Freiheit, eigene Korrespondenzen zu entdecken.
Diese Offenheit ist zentral. Die Werke geben keine Deutung vor und führen nicht zu einer abschließenden Aussage über Natur. Sie laden vielmehr dazu ein, Wahrnehmung als einen aktiven Prozess zu erfahren. Was gesehen wird, hängt nicht allein vom einzelnen Werk ab, sondern ebenso von der eigenen Bewegung, der Dauer des Betrachtens, von Erinnerung und persönlicher Assoziation.
Dabei wird Natur weder zum romantischen Gegenbild der Zivilisation noch zur Illustration einer ökologischen These. Sie erscheint als ein Beziehungsgefüge, in das der Mensch selbst eingebunden ist. Die Ausstellung lenkt den Blick damit auch auf die Frage, wie wir uns gegenüber unserer Umwelt verorten: als Betrachtende eines vermeintlichen Gegenübers oder als Teil eines komplexen Zusammenhangs, den wir beeinflussen und von dem wir zugleich abhängig sind.
LIAISONS entfaltet sich in den Zwischenräumen: zwischen den Werken, zwischen Wahrnehmung und Erinnerung, zwischen materieller Präsenz und Imagination. Die Ausstellung schafft eine Situation, in der Verbindungen sichtbar und Unterschiede zugleich erfahrbar bleiben. Welche Verbindungen dabei entstehen, entscheidet sich erst in der Begegnung mit den Werken und im eigenen Blick der Betrachtenden.
Wolfgang Flad
Skulptur
Untitled Structure, 2025
mixed media, 290 x 100 x 60 cm
Wolfgang Flads Werk bewegt sich an der Schnittstelle von Skulptur, Relief und Malerei. Seit mehr als zwei Jahrzehnten untersucht er die Möglichkeiten der Skulptur neu und überschreitet dabei bewusst die Grenzen dieser klassischen Gattungen. Ausgangspunkt seiner Arbeiten ist nicht die Darstellung eines Gegenstandes, sondern die Erforschung von Material, Raum und Transformation.
Material ist für Wolfgang Flad niemals Selbstzweck. Holz, Pappmaché, Bauschaum, Aluminium, Bronze oder Atelierstaub interessieren ihn nicht wegen ihrer stofflichen Eigenschaften, sondern wegen ihres Potenzials zur Veränderung. Im künstlerischen Prozess verlieren sie ihre ursprüngliche Funktion und entwickeln eine neue räumliche und ästhetische Eigenständigkeit. Aus einfachen Werkstoffen entstehen komplexe Formen, die den Blick vom Material auf den Prozess seiner Verwandlung lenken.
Seine Skulpturen lassen Assoziationen an Zellstrukturen, Korallen, Wurzeln, Knochen oder organische Wachstumsprozesse entstehen, ohne konkrete Naturformen abzubilden. Sie wirken wie räumliche Zeichnungen, die sich frei im Raum entfalten und ihre Wirkung im Zusammenspiel von Licht, Schatten und Bewegung verändern.
Im Verlauf seines Werkes verschiebt sich der Fokus zunehmend vom einzelnen Material auf den Prozess seiner Transformation. Während frühe Holzfräsungen und mehrschichtige Lackreliefs vor allem die Bearbeitung und Struktur von Oberflächen untersuchen, beziehen neuere Werkgruppen Entstehung, Abrieb und Veränderung selbst in den künstlerischen Prozess ein. Werkzyklen wie Dark Side of the Moon erweitern diesen Ansatz um geologische und kosmische Assoziationen. In seinen jüngsten Arbeiten führt Wolfgang Flad diesen Gedanken konsequent weiter: Für seine Dust Paintings verwendet er den Schleifstaub, der bei der Herstellung seiner Skulpturen entsteht, als Ausgangsmaterial neuer Werke. Entstehung und Auflösung, Verlust und Neubeginn werden so Teil desselben schöpferischen Kreislaufs.
Allen Werkgruppen gemeinsam ist das Interesse an Übergängen – zwischen Fläche und Raum, Konstruktion und Wachstum, Zerstörung und Erneuerung. Wolfgang Flads Arbeiten machen sichtbar, dass Form kein abgeschlossener Zustand ist, sondern ein fortwährender Prozess des Werdens. Gerade in dieser Offenheit liegt die besondere Qualität seiner Skulpturen und Reliefs: Sie eröffnen Erfahrungsräume, in denen Material, Licht und Bewegung zu gleichberechtigten Bestandteilen der Wahrnehmung werden.
Wolfgang Flad wurde 1974 in Reutlingen geboren und studierte von 1995 bis 2000 Textildesign an der Fachhochschule Reutlingen und anschließend Freie Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Seit 2004 lebt und arbeitet er als freischaffender Künstler in Berlin.
Weitere Informationen zum Künstler finden Sie hier.
Foto Wolfgang Flad: ©Dale Grant
Tanja Selzer
Malerei
Let the dragons out, 2025
Öl auf Leinwand, 195 x 385 cm
Seit mehr als zwanzig Jahren entwickelt Tanja Selzer ein malerisches Werk, das sich kontinuierlich zwischen Gegenständlichkeit und Auflösung bewegt und die Möglichkeiten der Wahrnehmung auslotet. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind häufig Fotografien, Erinnerungen oder unmittelbare Naturbeobachtungen. Im malerischen Prozess lösen sich diese Vorlagen jedoch zunehmend von ihrer konkreten Erscheinung und entwickeln eine eigene bildnerische Wirklichkeit.
In frühen Werkgruppen beschäftigte sich Tanja Selzer mit Körperlichkeit, Intimität und der Frage, wie Bilder Nähe und Distanz erzeugen. Figuren erscheinen dabei nicht als erzählerische Protagonisten, sondern als Projektionsflächen für Fragen nach Nähe, Begehren und Identität. Ihre Bilder entziehen sich eindeutigen Deutungen und hinterfragen zugleich die Rolle der Betrachtenden selbst.
In den vergangenen Jahren hat sich dieses künstlerische Interesse zunehmend auf die Natur verlagert. An die Stelle menschlicher Figuren treten heute Landschaften, Tiere und insbesondere Pflanzen. Der Blick richtet sich nun weniger auf zwischenmenschliche Beziehungen als auf die Prozesse des Werdens, Wachsens und Vergehens. Nicht die künstlerische Fragestellung verändert sich, sondern das Motivfeld, an dem Tanja Selzer sie untersucht.
Natur erscheint in ihren Arbeiten deshalb nicht als botanisches Motiv, sondern als lebendiges Beziehungsgefüge. Formen wachsen, überlagern sich, lösen sich auf und entstehen neu. Gegenständlichkeit bleibt dabei stets erkennbar, ohne den Blick festzulegen. Vielmehr entstehen Bildräume, in denen Farbe, Licht und Bewegung selbst zu Trägern von Atmosphäre und Bedeutung werden.
Tanja Selzer (*1970 in Rheinland-Pfalz) schloss ihr Studium an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg im Fachbereich Gestaltung ab, ihr Schwerpunkt liegt im Bereich der Malerei. Seit 2005 werden ihre Arbeiten im In- und Ausland gezeigt und sind in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. Die Künstlerin ist Mitglied des MalerinnenNetzWerks Berlin-Leipzig und im Saloon-Berlin und lebt und arbeitet in Berlin.
Weitere Informationen zur Künstlerin finden Sie hier.
Foto Tanja Selzer: ©Dale Grant
Wolfgang Flad | Tanja Selzer LIAISONS Skulptur| Malerei
11. September bis 24. Oktober 2026
Vernissage: Donnerstag, 10. September 2026, 18:00 Uhr
Ort: nüüd.berlin gallery, Kronenstr. 18, 10117 Berlin-Mitte, U Stadtmitte
Offen: Mi – Sa von 12:00 bis 18:00 Uhr u.n.V.






















