Birgit Naomi Glatzel, Ideal City – Fotografie
Birgit Naomi Glatzel IDEAL CITY – Fotografie
In der Ausstellung IDEAL CITY zeigen wir ein Projekt der Berliner Künstlerin Birgit Naomi Glatzel, in dem öffentliche Räume aus Städten weltweit zu neuen, imaginären Stadträumen verbunden werden. Architektur sowie Orte aus den Bereichen Service, Verkehr und Freizeit werden aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst und neu kombiniert. Seit 2003 wächst dieses offene Projekt kontinuierlich weiter und lädt Besucher:innen dazu ein, Stadt als wandelbare, offene Idee zu begreifen.
Mit Ideal City entwickelt Birgit Naomi Glatzel seit 2003 ein offenes künstlerisches System, das urbane Räume neu zusammensetzt und vertraute Vorstellungen von Stadt, Identität und Zugehörigkeit befragt. In der Ausstellung tritt dieses System als visuelles, klangliches und interaktives Gefüge in Erscheinung – als Stadt im Zustand permanenter Möglichkeit.
Ausgangspunkt des Projekts ist ein spielerisches, zugleich tiefgreifendes Prinzip der Neukombination: Inspiriert von Kro-gu-fant, einem Klappbilderbuch der Künstlerin Sara Ball, in dem aus fragmentierten Tierkörpern neue, hybride Wesen entstehen, überträgt Ideal City dieses Verfahren auf die Struktur von Städten. Statt Körperteilen werden architektonische, soziale und funktionale Merkmale urbaner Räume neu zusammengesetzt – und damit Städte imaginiert, die es so nie gegeben hat, die aber dennoch vertraut wirken.
Ideal City arbeitet mit Orten aus Städten weltweit, die drei grundlegenden Kategorien zugeordnet sind: Service, Verkehr und Freizeit. Diese Kategorien bilden die strukturelle Basis moderner Urbanität – unabhängig von Kontinent, politischem System oder kulturellem Hintergrund. Märkte, Einkaufszentren, Verkehrsknotenpunkte, Stadien, Strände oder Plätze werden aus ihrem geografischen, kulturellen und historischen Kontext gelöst und in ein modulares Bildsystem überführt. Innerhalb dieses Systems treten sie in neue, ungewohnte Beziehungen zueinander und verlieren ihre eindeutige Zuschreibung. Ein Ort ist nicht mehr „Berlin“, „Tel Aviv“ oder „Tbilisi“, sondern Teil eines neuen, hybriden Zusammenhangs.
Ein zentraler Bestandteil von Ideal City ist die interaktive Komponente. Über eine Computerschnittstelle oder durch das Austauschen von Bildern an einer Wand sind Besucher:innen eingeladen, ihre eigene „Lieblingsstadt“ zu entwerfen, indem sie öffentliche Räume nach individuellen Vorlieben kombinieren. Das Brandenburger Tor kann unmittelbar an den Strand von Tel Aviv grenzen, ein Einkaufszentrum in Tel Aviv neben dem Berliner Olympiastadion liegen. Diese freien Kombinationen eröffnen utopische, manchmal auch absurde Stadtlandschaften, die bestehende Vorstellungen von Urbanität, Identität und Zugehörigkeit hinterfragen.
Aus der Verschmelzung der Städte entsteht nicht nur ein neues Bild, sondern auch ein neuer Name: Die Kombination von z.B. Berlin, Venedig und Tbilisi wird zu BENESI. Diese Namensschöpfungen sind mehr als spielerische Wortkreationen. Sie markieren die Entstehung neuer, hybrider Identitäten und verweisen auf die Möglichkeit, Stadt als kollektives, wandelbares Konstrukt zu denken – jenseits nationaler Grenzen oder historischer Festschreibungen.
Kuratorisch bewegt sich Ideal City an der Schnittstelle von Fotografie, digitaler Bildproduktion, Klang, Design und partizipativer Kunst. Die Zusammenarbeit von Birgit Naomi Glatzel mit Hennink Stöve (Konzept & Algorithmen), Marc Weiser (Sounddesign) und editienne (Plakatdesign) unterstreicht den interdisziplinären Ansatz des Projekts. Bild, Klang und Interface greifen ineinander und schaffen eine immersive Erfahrung, in der die Stadt nicht nur betrachtet, sondern aktiv gestaltet wird.
Die klare visuelle Sprache, die modulare Struktur und die Offenheit für Beteiligung spiegeln ein zeitgenössisches Verständnis von Ausstellung als Ort des Austauschs wider – nicht als abgeschlossene Erzählung, sondern als Angebot. Ideal City ist kein Entwurf einer besseren Stadt, sondern eine Einladung, Stadt als Prozess zu begreifen – als etwas, das sich aus Fragmenten zusammensetzt, sich ständig verändert und von denjenigen geprägt wird, die sich in ihr bewegen.
Birgit Naomi Glatzel (*1970 in Kempten/Allgäu) ist eine freischaffende Konzeptkünstlerin und Architektin. Seit 1998 arbeitet sie überwiegend im Bereich der Fotografie. Ihr Fotoprojekt „a friend is a friend of a friend“ begann sie im Sommer 1998 und hat hiermit internationale Aufmerksamkeit erregt. Ihre Werke wurden u.a. auf der Biennale in Tirana, der Biennale in Venedig, in Berlin (u.a. im Jüdischen Museum), Jerusalem, Paris, Kiev sowie auf der Photo London 2024 gezeigt. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin.
Mehr über die Künstlerin erfahren Sie hier.
Programm:
Donnerstag, 05. März 2026, 18:00 h
Vernissage. Die Künstlerin wird anwesend sein.
Samstag, 21. März 2026, 16:00 h
Artist Talk. Die Künstlerin im Gespräch mit Ingo Taubhorn.
Donnerstag, 16. April 2026, 16:00 – 18:00 h
Finissage.
Birgit Naomi Glatzel IDEAL CITY
06. März bis 16. April 2026
Vernissage: Donnerstag, 05. März 2026, 18:00 Uhr
Ort: nüüd.berlin gallery, Kronenstr. 18, 10117 Berlin-Mitte, U Stadtmitte
Offen: Mi – Sa von 12.00 bis 18.00 Uhr u.n.V.


















